Experiment Kommunikation

das Team in der Freizeit

Wie eine Gemeinschaft von TrainerInnen Gemeinschaften unterstützt.

Vom Experimentierkurs‘ zum Experiment Kommunikation

Seit nunmehr 10 Jahren gibt es den Experimentierkurs, eine Gruppe von ca 20 GFK-TrainerInnen, die sich bis 2014 zweimal im Jahr für eine Woche getroffen hat, um in einem All-Leader-Prozess, also ohne Leitung GFK zu leben und eigene Themen quasi in kollegialer Supervision zu bearbeiten.

In dieser Zeit ist eine spannende Entwicklung passiert:

In den ersten Jahren standen bei unseren Treffen persönliche Prozesse Einzelner im Mittelpunkt, in denen sich meist die ganze Gruppe einer Person zuwandte. Nach einiger Zeit kamen diese intensiven Einzelprozesse immer seltener vor und stattdessen erlebten wir nun mehr und mehr Situationen in denen wir plötzlich in einen gemeinsamen Flow kamen. Jetzt waren plötzlich nicht mehr Einzelne mit ihren Themen im Fokus der Gruppe, sondern es entstand ein Gruppenprozess, in dem ein Thema nach dem anderen aufploppte und in der Gruppe fast wie im Kreis ging. Dinge kamen ans Licht, wurden angesprochen, gesehen und konnten sich wieder verabschieden und dem nächsten Thema oder einer Variante vom ersten Platz machen. Alles geschah mit einer Leichtigkeit und gleichzeitig einer heilsamen Kraft, die uns immer wieder verblüffte.

In dieser Zeit begannen wir darüber nachzudenken, wie wir unsere Erfahrungen mehr in die Welt bringen könnten und begegneten der BASEG.

Die BASEG ist eine Gruppe von Landschaftsgärtnern, die sich – so wie wir – zweimal im Jahr treffen, um jeweils im Sommer ihre geballten Kompetenzen der Landschafts- und Gartengestaltung einer Gemeinschaft/einem Projekt für eine Woche zur Verfügung zu stellen. Sie kommen mit Kind und Kegel (manchmal bis zu 150 Leute) und gestalten das Außengelände (für mehr Infos siehe: www.baseg.org)

Diese Idee hat uns begeistert und wir beschlossen, das Gleiche zu tun…. nur eben nicht Garten-, sondern Kommunikationsgestaltung.

So wurde aus dem Experimentierkurs: das Experiment Kommunikation!

Seit 2015 stellen wir jeweils im Sommer vier bis fünf Tage lang unsere gesamte Kompetenz (ohne Honorar, nur gegen Kost, Logis und Fahrtkosten) zur Verfügung, um Projekte oder Gemeinschaften zu begleiten und darin zu unterstützen, im Umgang miteinander mehr Friedfertigkeit, Wertschätzung und Aufrichtigkeit zu entwickeln.

das Team bei der Arbeit

Die Angebote reichen von Einzelcoachings über Konfliktklärungen, Empathiesitzungen, Mediationen und Moderationen bis hin zur Unterstützung bei der Etablierung einer wertschätzenden und lebensbereichernden Kommunikationskultur. Dabei stehen für uns die gemeinsame Erfahrung, das voneinander Lernen und die Solidarität mit den Projekten im Vordergrund.“  (so liest sich unserer Ausschreibung)

Zuerst waren wir in:

2015 im Stadtgut Blankenfelde, einer Gemeinschaft von ca. 50-60 Menschen in der Nähe von Berlin,

dann 2016 im Lebensbogen, einer Gemeinschaft von ca 20-25 Menschen, 30 km östlich von Kassel

und zuletzt 2017 in der Nature Community, einer Gemeinschaft von ca 40-50 Menschen in Schönsee (Oberpfalz)Die Erfahrungen, die wir dort gemacht haben, waren z.T. unglaublich, auf jeden Fall jedoch bereichernd.

 

Am beeindruckendsten waren für mich die Erfahrungen in unserer Zusammenarbeit. 

Unser Team bestand jedes Mal aus ca 12 TrainerInnen, alles ‚gestandene Persönlichkeiten‘, die es gewöhnt sind, z.T. alleine, manchmal auch zu zweit, vor einer Gruppe zu stehen… Und jetzt plötzlich standen wir vor der Situation, zu zwölft einen Gruppenprozess gestalten zu müssen.

Der Start war sehr aufregend und manchmal auch ein bisschen hakelig, weil einerseits so viele verschiedene Ideen und mögliche Vorgehensweisen aufeinander trafen und wir gleichzeitig nicht mit einem fertigen Konzept, sondern mit der Idee gekommen waren, die nächsten Schritte jeweils aus dem Moment heraus zu kreieren. Und dafür blieb uns manchmal in den Pausen nicht gerade besonders viel Zeit.

Zum Glück hatten wir die Erfahrungen aus unserer gemeinsamen Experimentierkurs-Zeit, als wir noch um uns selbst kreisten. Und auch in unserem Experiment Kommunikation passierte es, dass wir nach den Anfangsschwierigkeiten plötzlich in einen Flow als ganze Gruppe kamen, in dem sich die nächsten Schritte sehr schnell in einem gemeinsamen kreativen Prozess, ohne viele Reibungsverluste herauskristallisierten und plötzlich klar war, wer in der nächsten Session‚ den Hut auf‘ haben würde: dann war die Energie ganz klar bei ein, zwei oder drei Menschen, die (dann) die Details miteinander klärten und durch die nächste Einheit führten. Am Schönsten war dabei zu erleben, wie plötzlich die Einzelnen in ihren ganz eigenen Qualitäten sichtbar wurden.
Wir waren wie ein großer Blumenstrauß in dem jede einzelne Blume in ihrer eigenen Farben- und Formpracht vor sich hinstrahlen kann.

Ein zweites Phänomen, das mich sehr begeistert hat war, dass wir immer wieder Momente erlebt haben, in denen wir als Gruppe so aufeinander eingeschwungen waren und einen so klaren Raum bieten konnten, dass wir wie ein Spiegel waren:  auf einmal tauchten die Prozesse, die in der Gemeinschaft, die wir begleiteten unter der Oberfläche ‚brodelten‘ in unserer Gruppe auf und wurden für uns sichtbar. Nicht immer war es ganz klar: was gehört jetzt zu der Gemeinschaft und was sind unsere Themen? Und es gab die Momente in denen das ganz klar war und wir das der Gruppe einfach nur zur Verfügung stellen konnten.

So gab es beispielsweise am Ende der Zeit im Lebensbogen eine Situation, in der unser Plan für die letzten beiden Stunden unserer Arbeit mit der Gruppe nicht  funktioniert hat… kurz entschlossen setzen wir uns in einen Kreis in die Mitte, die Gemeinschaftsmitglieder außen rum. Und plötzlich tauchten in unserem Prozess Themen auf… eine Person wurde auf einmal sehr wütend andere unglaublich traurig…und wir erlebten diesen Flow, den wir schon kannten. Jemand fing mit einem Thema an, bekam einen kurzen Moment Aufmerksamkeit und Einfühlung von der ganzen Gruppe, dann tauchte das nächste Thema auf und es war schnell offensichtlich: wir waren wie StellvertreterInnen, die unterschwelligen, unausgesprochenen Themen der Gemeinschaft Raum gaben und sie in Worte fassten. Innerhalb von 20 Minuten hatten wir die einzelnen Themen empathisch abgeholt und Klarheit darüber, wie wir weiter vorgehen wollten. Das hat die Mitglieder der Gemeinschaft sehr verblüfft. Sie hatten gerade ein lebendiges Beispiel dafür erlebt, wie eine Gruppe arbeitsfähig und zu ihrer Klarheit finden kann, wenn die Themen, die im Raum ‚schwelen‘ offen angesprochen und empathisch abgeholt werden.

Und das war dann auch das Setting mit dem wir dort die letzte Stunde gestalteten: die Mitglieder der Gemeinschaft saßen in der Mitte und wir saßen außen rum und haben das Gespräch, das im Innenkreis stattfand dadurch unterstützt, dass wir all die Äußerungen, die Schuldzuweisungen oder Forderungen enthielten, übersetzten.

All die Erfahrungen der vergangenen drei Jahre bedeuten für uns selbst eine so beglückende und bereichernde Erfahrung, dass wir das Experiment Kommunikation auch in 2018 fortsetzen möchten.

Nachfolgend unsere komplette Ausschreibung, die auch gerne an Dritte weitergegeben werden kann:


„EXPERIMENT KOMMUNIKATION“ 

„Experiment Kommunikation“ ist eine Gruppe von ca. 20 erfahrenen  TrainerInnen, Coaches und BeraterInnen, vorwiegend mit dem Schwerpunkt Gewaltfreie Kommunikation, die seit 11 Jahren miteinander Kommunikationswege erforschen und sich gegenseitig weiterbilden. Nach den positiven Erfahrungen in 2015, 2016 und 2017 will die Gruppe auch in 2018 (28. Juni bis 5. Juli)  die Fülle ihrer professionellen Kompetenzen gemeinschaftlich nach außen tragen.

„Experiment Kommunikation“ bietet an, vier bis fünf Tage lang sein gesamtes Repertoire gegen Kost, Logis und Fahrtkosten zur Verfügung zu stellen, um andere Menschen, Projekte, Gemeinschaften oder Veranstaltungen vor Ort zu begleiten und darin zu unterstützen, im Umgang miteinander mehr Friedfertigkeit, Wertschätzung und Aufrichtigkeit zu entwickeln. Die Angebote reichen von Einzelcoachings über Konfliktklärungen, Empathiesitzungen, Mediationen und Moderationen bis hin zur Unterstützung bei der Etablierung einer wertschätzenden und lebensbereichernden Kommunikationskultur. Dabei stehen für uns die gemeinsame Erfahrung, das voneinander Lernen und die Solidarität mit den Projekten im Vordergrund. Anfragen und Bewerbungen bitte an Monika Flörchinger info@gewaltfrei-niederkaufungen.de, 05605-800770 (Bewerbungsschluss: 20. Januar 2018)